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Der unbekannte Star unserer Zeit: Sand

Der Erde geht der Sand aus. Was unfassbar klingt, ist leider Realität. Betonherstellung und Landgewinnung erschöpfen die Sandvorräte in solch einem Maße, dass der Sandabbau boomt – auch illegal. Und das Ganze zu einem Preis, den vor allem die Umwelt zu zahlen hat.

Der Sand wird knapp

Außer Luft und Wasser gibt es keine Ressource, die in diesen Mengen verbraucht wird. Laut UNEP werden jährlich 40 Milliarden Tonnen Sand abgebaut – neun mal mehr als Rohöl. Die Bauindustrie ist der größte Sandverbraucher. Aber auch in sämtlichen Alltagsgegenständen versteckt sich Sand: Computerchips, Kosmetikartikel, Solarzellen oder Glas.

Die Sandnachfrage ist in den letzten 20 Jahren um 360% gestiegen und wird – angetrieben vom weltweiten Bevölkerungswachstum und zunehmender Verstädterung – weiterhin wachsen. Für die Bauindustrie eignet sich lediglich Meeressand. Wüstensandkörner sind vom Wind zu rund geschliffen, als dass sie mit dem Zement haften würden. Der Sandabbau widmet sich also nun vermehrt den Stränden und Meeresboden zu.

Illegaler Handel boomt

Sand ist kostbarer denn je. Auf 70 Milliarden Dollar wird allein der offizielle Sandhandel geschätzt. Daneben hat sich zudem ein ganzer Schwarzmarkt gebildet. Weltweit klaut die Sandmafia Sand von Stränden und vom Meeresboden und verkaufen diesen illegal. In Indien zum Beispiel ist die Sandmafia die größte kriminelle Vereinigung des Landes. Sandfischer tauchen – teils ohne Ausrüstung – bis zu 15 Meter tief, um in Eimern Sand abzutragen.

Asiens Hunger nach Sand

Obwohl die Sandförderraten in Europa und Nordamerika hoch sind, sind die größten Sandverbraucher die schnell wachsenden asiatischen Länder. Staaten wie Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate benötigen Sand zur Landgewinnung. 150 Millionen Tonnen Sand brauchte Dubai allein für die künstlich aufgeschütteten „Palm Islands“.

Grafik Dandverbrauch
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Singapur hat bereits 1/5 des Landes künstlich hinzugefügt – mit importiertem Sand aus Vietnam, Kambodscha und Malaysia. Neben der Erweiterung der Küstenlinie benötigen die Städte Sand für den Bau von Wohnhäusern und infrastrukturellen Einrichtungen. Und der Hunger nach Sand wächst.

Umweltfolgen durch Sandabbau

Dies hat katastrophale Auswirkungen auf die Umwelt: 75 bis 90 Prozent aller Strände weltweit sind auf dem Rückzug. 24 Inseln in Indonesien sind bereits verschwunden. Durch den Landverlust verschwindet zudem die natürliche Sandbarriere und Salzwasser gelangt in den Boden. Zum Einsatz kommen sogenannte Saug- oder Schwimmbagger. Mit einem langen Rohr pumpen sie vor den Küsten den Sand vom Meeresboden. Das Wasser wird zurück ins Meer gespeist, der Sand an Land transportiert. Beim Absaugen wird nicht nur Sand, sondern auch Kleinstlebewesen abgesaugt – die Nahrungsgrundlagen von Meerestieren von Plankton bis zu den Walen. Weil der Sandabbau Erosion von Ufern und Küsten fördert, können mit ihm auch Naturkatastrophen wie Hochwasser, Sturmfluten oder Tsunamis in Verbindung gebracht werden. Die Auswirkungen des Tsunami in Sri Lanka im Jahre 2004 zum Beispiel wurde durch die starke Sandförderung verstärkt.

Industrie und Wissenschaft erforschen Alternativen. Angesicht der Tatsache, dass uns der Sand früher oder später ausgehen wird, sind alternative Lösungen für die Bauindustrie unersetzlich. Könnte zum Beispiel recyceltes Altglas Sand im Beton ersetzten? Oder werden wir zukünftig wieder in Lehmhäusern leben?

Autorenhinweis:
Maike Radermacher arbeitet bei TradeMachines, einer Suchmaschine für Gebrauchtmaschinen. TradeMachines fördert die Wiederverwendung von gebrauchten Maschinen. Die Rückführung von Maschinen in die Kreislaufwirtschaft ist notwendig, um Ressourcen zu schonen und somit die Umwelt zu schützen. www.trademachines.de