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Fairtradegold – Gold aus umweltschonendem Abbau

Wäre ich nicht 1999 auf einem USA-Urlaub durch das Dörfchen Cripple Creek gefahren, hätte ich wahrscheinlich weiterhin sorglos Gold zu schönen Schmuckstücken verarbeitet. Aber was ich damals sah, hat mich schockiert und wachgerüttelt. In diesem verlassenen Dorf im Staat Colorado wurde Gold abgebaut. Romantisch, dachte ich, genau das Richtige   für eine Goldschmiedin, an die Wurzeln des Goldabbaus vorzudringen und den Kunden spannende Geschichten darüber erzählen zu können. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, in eine total verwüstete und geschundene Landschaft einzutauchen. Eine seltsam umgestülpte Natur fand ich vor. Abraumhalden, die wie riesige Maulwurfhaufen das Bild dominierten. Große Felder zertrümmerter Erde, flach ausgebreitet. Immer wieder Plastikfolie, die an den Rändern der Felder herausschaut. Alles in allem ein Bild der Zerstörung.

Zuhause wollte das Arbeiten keinen rechten Spass mehr machen. Trage ich die Mitschuld daran, dass es woanders auf der Welt so ausschaut?

Argentinisches Rohgold
Argentinisches Rohgold

Ich habe mich informiert, welche Umstände den Goldabbau begleiten. Was bedeuten die Geröllfelder und die Plastikfolien? Ich habe also dort die „Zyanidlaugerei“ gesehen. Das goldhaltige Gestein wird klein zertrümmert und dann mit Zyanidlauge (Zyankali) übergossen. Das Zyankali löst das Gold aus dem Gestein, wird in Becken aufgefangen, dann das Gold chemisch aus der  Zyanidlauge herausgelöst. Zurück bleibt der zyankalihaltige Abfall, und der gibt sein Gift langsam an die Luft und im schlimmsten Fall an das Grundwasser ab.

Ich erfuhr, dass es die unterschiedlichsten Problematiken beim Goldabbau gibt. Viele Goldvorkommen liegen in sogenannten Entwicklungsländern, in denen die Bevölkerung meist von Landwirtschaft und Fischfang lebt. Diese Menschen werden rücksichtslos von ihrem Grund und Boden vertrieben, um Platz zu machen für den industriellen Goldabbau, bei dem das Land von riesigen Maschinen umgegraben und ausgebeutet wird. Die Ureinwohner warten meist vergeblich auf Entschädigungen der großen Konzerne und werden von ihren eigenen Regierungen schmählich im Stich gelassen.

Je mehr ich mich informierte, desto mehr Missstände erfuhr ich, und ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass jemand unter diesen Bedingungen Schmuck tragen möchte. Dieser Preis war einfach zu hoch in meinen Augen.

Doch parallel zu den frustrierenden Neuigkeiten tat sich auch etwas positives Neues auf. Ich erfuhr, dass es durchaus Alternativen zu diesem konventionellen Goldabbau gibt. Fairtradegold, angeboten von einem Geologen, der schon jahrelang Entwicklungsarbeit im Kleinbergbau leistet. Er betreut eine argentinische Dorfgemeinschaft, die Gold aus dem Fluss Chuspimayo fördert. Mit viel Handarbeit, aber dafür ganz ohne Chemikalien. Nur mit Wasserkreisläufen wird das Gold aus dem Geröll gewaschen und es findet ein minimaler Eingriff in die Natur statt. Die Goldwäscher können sich eine Lebensgrundlage sichern und  bekommen für das so gewonnene Gold einen höheren Preis als den Weltmarktpreis bezahlt. Die argentinische Umweltstiftung Ecoandina, die sich auch sehr transparent im Internet (sogar auf deutsch) präsentiert, unterstützt diese Kleinbergbauern bei den organisatorischen Aufgaben und ist in dieser Andengegend auch mit Solar- und Wasserprojekten sehr aktiv.

Zu Eheringen verarbeitetes Gold
Zu Eheringen verarbeitetes Gold

Doch das ist nicht die einzige Quelle sauberen Goldes. Oro Verde, eine kolumbianische Initiative, fördert ebenfalls auf vorbildliche Weise einen umweltschonenden Abbau von Gold. Gesund für die Menschen und den Regenwald. Oro Verde hat als erste Organisation, das schon lange fällige, aber auch sehr teure Fairtradesiegel erhalten. Es wird in Deutschland aber erst in einigen Monaten regelmäßig geliefert werden.

Das sind also die freudigen Nachrichten. Für die Menschen, denen es wichtig ist, welches Gold und welche Geschichte sie damit auf der Haut tragen, gibt es genug „faires“ Gold. Und indem Sie den Mehrwert eines guten Gefühles und Gewissens beim Schmuckkauf haben, profitieren auch die Menschen, die dieses Gold ans Tageslicht bringen.

Text und Bilder: Petra Hoch-Dosch, www.atelierdosch.de