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Nachhaltig online einkaufen – Die Zukunft des E-Commerce?

Einleitung – die Macht des Konsumenten

Immer mehr Menschen versuchen ihren Alltag so nachhaltig und umweltschonend wie möglich zu gestalten und machen entsprechend auch ihre Kaufentscheidungen davon abhängig, ob Produkte und Waren ökologisch verträglich, sozial und fair gefertigt wurden. Dies beschränkt sich inzwischen nicht mehr nur auf einen verhältnismäßig kleinen Teil von „Ökos” oder der vermeintlichen Elite von gutsituierten und umweltbewussten “Lohas” (Lifestyle of Health and Sustainablility), sondern umfasst sehr breite Teile der Bevölkerung. Nach aktuellen Studien geben inzwischen über 80% der Deutschen an, zumindest gelegentlich bewusst ethisch korrekte Produkte zu kaufen, den Aspekt Ökologie in ihr Konsumverhalten einfließen zu lassen und dass sie bereit sind, mehr Geld für Produkte auszugeben, die regional & biologisch produziert und fair & klimafreundlich gehandelt wurden. Folglich ist es nur logisch, dass das Thema Nachhaltigkeit auch im E-Commerce eine zunehmend bedeutsame Rolle spielt. Immer mehr auf Nachhaltigkeit spezialisierte Online-Anbieter bedienen demnach diese Nachfrage gezielt mit einem passenden Warenangebot.

Nachhaltig_Einkaufen_1Mit seinem alltäglichen Einkaufsverhalten hat jeder Konsument einen großen Einfluss auf Umwelt und Wirtschaft. Annähernd 300 Milliarden Euro geben die Bürger für Lebensmittel, Getränke, Genussmittel und Bekleidung aus und können mit diesen enormen finanziellen Mitteln mehr bewegen als ihnen bewusst ist. Gleichzeitig hat der private Konsum aber auch große Auswirkungen auf die Natur und Umwelt, da die Konsumenten und deren Haushalte für über 15-20% des Ausstoßes an CO2 und Stichoxiden verantwortlich sind. Mehr und mehr Menschen wollen dem bewusst entgegenwirken und entscheiden sich für einen möglichst nachhaltigen Einkauf. Dies umfasst dabei im zunehmenden Maße auch den Bereich des Online-Shoppings. Immer häufiger werden gezielt Produkte bestellt, welche in Hinsicht auf Herstellung und Produktionsbedingungen umweltschonend und energiesparend gefertigt wurden. Darüber hinaus geht es zunehmend aber auch um sozial und faire Arbeitsbedingungen, also eine angemessene Bezahlung in einem menschenwürdigen Umfeld. Gleichzeitig ist aber auch die Unsicherheit gestiegen, welche Produkte als wirklich Fair und Ökologisch zu betrachten sind und ob der Onlinekauf von nachhaltigen Produkten ökologisch überhaupt sinnvoll erscheint.

Ein Umdenken ist notwendig – was dabei zu beachten ist

Mit unserem Lebensstil bestimmen wir unmittelbar auch den ökologischen Fußabdruck, also die jährlich vom „World Wide Fund for Nature“ (WWF) errechneten Fläche, die jeder zur Aufrechterhaltung seines jeweiligen Konsumniveaus benötigt. In Deutschland beträgt dieser ca. 4,5 Hektar pro Bürger, bzw. die Fläche von annähernd vier Fußballfeldern. Problematisch wird dies dadurch, dass jedem Deutschen aber nicht mehr als 2 Hektar zur Verfügung steht und dieser damit faktisch über seine natürlichen Verhältnisse lebt. Dem kann aber dabei mit erstaunlich einfachen Mitteln individuell entgegengewirkt werden. Allein im Bereich des alltäglichen Lebensmittelbedarfs kann der Kauf von regionalen Produkten, Saisonwaren, Bioprodukten und verpackungslosen Zutaten einen effektiven ersten Schritt zu Verkleinerung des ökologischen Fußabdruckes darstellen. Zu jeder Jahreszeit gibt es eine große Auswahl an hochwertigen Lebensmitteln die aus der unmittelbaren Umgebung stammen und von regionalen Bauern erzeugt wurden. Bei Fleisch sollte auf artgerechte Haltung und bei Fisch auf nachhaltige Fangmethoden geachtet werden. Bei Getränken ist dagegen darauf zu achten, dass diese in Mehrwegflaschen gekauft werden.

Aber auch die Beachtung der ethischen Komponente kann mit relativ simplen Mitteln Rechnung getragen werden. Auch wenn viele Hersteller (bewusst) auf die Deklarierung der Herkunft und Inhaltsstoffe ihrer Produkte verzichten, sollte hierbei insbesondere auf tierische Produkte aus einer artgerechten Haltung, Fair-Trade-Produkte und Haushalts- & Kosmetikprodukte ohne Tierversuche geachtet werden. Oftmals geben auch die Unternehmenspolitiken erste Indizien über den internen Verhaltenskodex und konkrete Selbstverpflichtungen bezüglich Umweltschutz, fairen Arbeitsbedingungen und Kinderarbeit etc.. Obwohl einerseits also die Bereitschaft und das Bewusstsein für einen nachhaltigen Einkauf vorhanden ist, herrscht ein gewisses Maß an Verunsicherung in welcher Form ein ökologisch und ethisch korrekter Einkauf offline und online realisiert werden kann.

Siegel nicht gleich Siegel

Nachhaltig_Einkaufen_2Alleine in Deutschland existieren annähernd 1000 verschiedene Siegel für ökologisch und nachhaltig hergestellte Produkte. Bei vielen dieser werden aber weder die konkreten Arbeits- und Produktionsbedingungen, noch die genaue Energiebilanz berücksichtigt, die zusammengenommen ein Produkt erst umweltfreundlich und nachhaltig machen. Dennoch gibt es eine Reihe von Siegeln, die Aufgrund ihrer Unabhängigkeit, Expertise und Konzeption als vertrauenswürdig einzuschätzen sind und damit als verlässliche Wegweiser für einen nachhaltigen Einkauf fungieren können.

Eines der ohne Frage relevantesten Siegel ist sicherlich das Fair-Trade-Siegel der “Fairtrade Labelling Organizations International“ (FLO). Innerhalb dieser sind 20 nationale Siegel aus über 20 Ländern vereint. Produkte mit dem Fair-Trade-Siegel garantieren dem Käufer, dass der Inhalt und die Produktionsbedingungen strengen Kriterien und Standards entsprechen und somit direkt zur nachhaltigen Entwicklung benachteiligter Kleinbauern in aller Welt beitragen. Im Lebensmittelbereich ist das EU-Bio-Siegel bedeutsam, da es die Erfüllung von Mindeststandards der europäischen Verordnung zum ökologischen Landbau garantiert. Bei dem deutschen Bio-Siegel verhält es sich ähnlich, nur werden hier noch strengere nationale ökologische Richtlinien angewandt. Auch die diversen Siegel privater ökologischer Anbauverbände wie Demeter, Bioland, Naturland etc. stehen für ökologische Anbaumethoden und eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft. Außerhalb der Lebensmittelbranche hat sich vor allem der Blaue Engel seit vielen Jahren fest etabliert und im Kundenbewusstsein verankert. Eine unabhängige Jury verleiht diesen zielgerichtet nur an besonders umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Insbesondere ist der Kauf von ökologisch sowie sozial & fair produzierter Kleidung oftmals aber nach wie vor kein leichtes Unterfangen, da es bisher nur wenige umfassende und ganzheitliche Nachhaltigkeitssiegel gibt. Immer wieder zeigen Fabrikunfälle und Berichte über menschenunwürdige Arbeitsbedingungen in zumeist asiatischen Textilfabriken, dass die freiwilligen Selbstverpflichtungen der global agierenden Unternehmen nicht ausreichen und durch ein unabhängiges und verlässliches Kontroll-System und transparente Lieferketten ersetzt werden müssen. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Mitgliedschaft in der “Fair Wear Foundation“. Diese Nichtregierungsorganisation (NGO) verpflichtet die teilnehmenden Unternehmer, Zulieferer und Hersteller innerhalb der Textilindustrie auf die Einhaltung fairer und sozial verträglicher Arbeitsbedingungen. Im Kosmetikbereich können durch den Kauf von Produkten welche den internationalen “Humane Cosmetics Standarts“ (HCS) entsprechen, Tierversuche zurückgedrängt und fair gehandelte Schönheitsprodukte aktiv unterstützt werden. Beim Möbelkauf sollte man am besten auf Massivholz setzen, welches mit dem FSC-Siegel des “Forest Stewardship Councils“ gekennzeichnet ist. Als unabhängige und gemeinnützige NGO garantiert das FSC dem Käufer, dass das verwendete Holz aus einer nachhaltigen und verantwortungsvoll betriebenen Forstwirtschaft stammt. Das gleiche gilt auch für Büro-, Papier- und Schreibwaren, die man inzwischen ebenfalls in großer Auswahl als FSC-zertifizierte Produkte erwerben kann.

Pro & Contra des nachhaltigen Online-Handels

Nachhaltig_Einkaufen_3Schon seit geraumer Zeit ist die allgemeine Nachhaltigkeitswelle auch auf den Online-Handel übergesprungen. Unterstützt wird dies durch das steigende Bewusstsein vieler Konsumenten, die mit der Wahl der gekauften Produkte unmittelbaren Einfluss auf das Warenangebot der Anbieter nehmen können. Hierdurch werden diese stark in ihren Entscheidungen beeinflusst, für welche Produkte sie ihre Ressourcen und Kapital zukünftig verstärkt einsetzen. Zum modernen und nachhaltigen Lebensstil immer mehr Menschen gehört es deshalb, nicht nur in die naturnahen Outdoor-Urlaube zu fahren und voll auf Öko-Strom zu setzten, sondern auch das Online-Einkaufsverhalten daran auszurichten. Immer mehr Verbraucher legen beim Kauf im Internet gesteigerten Wert auf umweltschonende Produkte und faire Produktionsbedingungen. Darüber hinaus bieten die dort angebotenen nachhaltigen Produkte aber weitere wertvolle Vorteile. Zumeist sind sie von einer höheren Qualität und halten damit länger als konventionelle Produkte, lassen sich länger nutzen und sind anschließend wesentlich umweltverträglicher zu recyceln. Inzwischen bieten eine ganze Reihe an spezialisierten Online-Shops ein umfangreiches Sortiment an Bio-Lebensmitteln, Naturprodukten, Eco-Fashion, Öko-Spielzeug, Bio-Tiernahrung und vielen weiteren nachhaltigen Produktbereichen an.

Jeder bewusste Konsument muss sich dabei aber stets darüber im Klaren sein, dass die Umwelt- und Sozialverträglichkeit einiger dort angebotenen Produkte nur Teile der Lieferketten abdeckt und ein zu 100% nachhaltiges Produkt damit nicht immer garantiert werden kann. Dennoch steigert man mit jedem online gekauften Bio- und Fair-Trade-Produkt effektiv die Chance darauf, das Konsumverhalten, die Unternehmenspolitiken und die Produktionsabläufe konkret zu verändern. Ein weiterer möglicher Kritikpunkt ist das durch den E-Commerce verstärkte generelle Lieferaufkommen. Umso mehr Waren online bestellt werden, um so mehr Produkte müssen transportiert und zugestellt werden, bzw. belastet damit die Umwelt mit einem erhöhten CO2-Ausstoß. Ein sicherlich berechtigter Punkt, der von vielen Online-Shops und Marktplätzen aber mit dem konsequenten Versand mittels spezieller Liefermethoden – wie dem DHL GoGreen-Program – entgegengewirkt wird. Zum Ausgleich der durch den Transport entstehenden CO2-Emissionen fließt hierbei für jeden Kilometer Lieferstrecke ein bestimmter Betrag in spezielle Klimaschutzprojekte. Auch mag es nicht immer sinnvoll erscheinen alle Produkte online einzukaufen, die man evtl. besser direkt im örtlichen (Bio-)Laden bekommen könnte. Gerade im ländlichen Raum bzw. in kleineren Städten sind das Angebot und die Verfügbarkeit an nachhaltigen Produkten aber nach wie vor alles andere als Flächendeckend und selbst in Großstädten können die meisten Bio-Märkte und regulären Geschäfte nicht mit dem umfassenden Online-Angebot an umwelt- und sozialverträglichen Produkten aller Art der nachhaltigen Online-Marktplätze konkurrieren.

Fazit:

Eine große und stetig wachsende Zahl an Konsumenten setzt sich immer differenzierter mit der ökologischen Qualität und der menschenwürdigen Herstellung von Produkten auseinander und berücksichtigt diese Aspekte demnach auch maßgeblich im alltäglichen (online-) Konsumverhalten. Neben Umweltschutz und sozialen Produktionsbedingungen haben auch die Bereiche Fair-Trade, Regionalität und Recycelbarkeit einen festen Platz in der heutigen Konsumentenpsychologie eingenommen. Demnach ist es nur konsequent und logisch, dass sich dies verstärkt auch im E-Commerce niederschlägt und sich das dortige Sortiment an der entsprechenden Nachfrage der Kunden anpasst. Ohne Frage ist es eine der zentralen Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft, im Sinne der Nachhaltigkeit weniger endliche Ressourcen und Materialien zu nutzen sowie den effektiven Umgang mit den Rohstoffen unserer Erde zu optimieren. Der Konsument verfügt dabei über ein überraschend großes Maß an direkten Einflussmöglichkeiten auf die Wirtschaft. Alleine durch die gezielte Nachfrage nach nachhaltig gefertigten Konsumprodukten, kann er der Wirtschaft attraktive Anreize für die verstärkte Herstellung entsprechender Produkte bieten. Umso stärker die Nachfrage des Verbrauchers nach entsprechend „grünen“ Produkten also ist, desto mehr werden auch die großen Anbieter, Produzenten und Ketten sich dem Thema annehmen und entsprechend nachhaltiger und sozial fairer produzieren lassen. Insbesondere der steigende Umsatz im nachhaltigen E-Commerce wird auf kurz oder lang auch den „normalen“ Handel aufhorchen lassen. Das es sich hierbei aber um keinen Freifahrtschein für ein grünes Gewissen handelt, sich die angeschobenen Prozesse erst am Anfang befinden und sich die Unternehmen und Produzenten erst am Beginn ihres Weges hin zu einer wirklich nachhaltigen Wende befinden, muss jedem ökologisch orientieren Konsumenten dabei aber stets bewusst sein. Nur der bewusste und möglichst konsequente Kauf von umweltverträglichen, ressourcenschonenden und unter sozial & fairen Produktionsbedingungen gefertigten Produkten, wird die Unternehmen langfristig aufhorchen und ihre bisherige Produktpolitik überdenken lassen. In einem kapitalistischen System hat der Konsument, bzw. sein ausgegebenes Geld aber definitiv ein überaus machtvolles Instrument zur Verfügung, um den Aspekt der Nachhaltigkeit effektiv zu stärken.

Autor: Benjamin Müller – Freiberuflicher Mitarbeiter der FROSCHking Internet GmbH aus Berlin.

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