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Ökologischer-botanischer Brandschutz

Wir verbrennen uns selbst – das muss doch nicht sein, oder?

Beobachten…….

„Wer tief in die Natur hineinschaut, wird alles besser verstehen.“ (Albert Einstein).

Ein weiser Gedanke, ausgerechnet oder eben von einem Physiker, so viel sagend und so richtig – und doch so unverstanden. Wir schauen offensichtlich überall hin, nur nicht in die Natur. Doch genau dort liegen die Antworten.

Wohlwissend, dass insbesondere in den letzten Jahren die Thematik des Klimawandels auf allen Ebenen durchdekliniert wurde, ich selbst schon von allen Ecken und Enden höre „wir können es nicht mehr hören“, haben uns dennoch gerade im Jahre 2018 die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels mehr als deutlich vor Augen geführt: auch wenn viele es nicht mehr hören können, aber wir haben den Klimawandel. Es sind vor allem die erschreckenden Ausmaße und Häufigkeiten der Umweltkatastrophen wie Dürren, Hochwasser, Erdbeben, Erosionen, Überhitzungen und letztlich auch den Waldbränden und Feuersbrünste, die uns als Folgen der Klimaerwärmung zu denken geben sollten.

Vor allem sind es die Waldbrände und Feuersbrünste, die das globale Ökosystem aus den Angeln gehoben haben. Wie mittlerweile festgestellt wurde (Waldbranddatenbank Österreich 2018), gilt folgendes: Nur noch etwa 4% aller Waldbrände weltweit haben natürliche Ursachen wie zum Beispiel einen Blitzeinschlag. In allen anderen Fällen ist der Mensch – sei es direkt oder indirekt, sei es fahrlässig oder vorsätzlich – verantwortlich für die Waldbrände und Feuersbrünsten. In Fachkreisen spricht man daher von sog. anthropogen bedingten Waldbränden, die immer einer Zündquelle bedürfen, denn Waldbrände entstehen nicht einfach so.

Im Gegenzug bedeutet dies in Zahlen, dass der Mensch, also wir alle zusammen, für knapp 96% aller Waldbrände und Feuersbrünste entweder direkt durch Nachlässigkeiten, Brandstiftungen o.ä. oder indirekt durch die von uns verursachten Veränderungen am Klima verantwortlich zeichnen. Zumal maßgebliche Faktoren wie Dürre und Trockenheit, Erosionen, heftige bis stürmische Winde, dazu eine ungeeignete oder ausgelaugte Vegetation u.ä. in der Kombination wie Brandbeschleuniger wirken – allesamt Nachwehen des Klimawandels.

Wir kennen also das Problem, na prima, es liegt also nur an uns. Wir müssen uns nur ändern oder?

…….verstehen…….

Im Verlauf von Jahrtausenden kam es immer wieder zu Waldbränden und Feuersbrünsten, dieses Phänomen ist als nicht neu. Neu ist aber, wie obig schon angedeutet, dass es schon lange keine natürlichen Brände mehr sind. Denn diese natürlichen Brände dienten zur Regulierung des Ökosystems, dienten quasi zur Durchlüftung von Landschafts- und Naturräumen, schufen Platz, unterstützten die Fortpflanzung und vieles mehr. Eine feuerökologische Dimension, die zeigt, wie nützlich Waldbrände und Feuersbrünste waren. Die betroffenen Akteure, Fauna und Flora, vor allem aber die Pflanzen, entwickelten jedoch Überlebensstrategien, um unter extremen Bedingungen wie Stress, Hitze, Trockenheit usw. existieren zu können.

Daher konnten sich Wälder früher auch selbst regenerieren und therapieren. Inzwischen haben sich aber die globalen Rahmenbedingungen erheblich geändert. Die feuerökologischen Parameter sind nicht mehr zu erkennen, es sind vor allem die unkontrollierbaren Feuersbrünste und deren Häufigkeiten, die eine Regeneration nicht mehr zulassen. Mittlerweile können sich die Wälder nicht mehr selbstständig von den Folgen der Waldbrände erholen, nicht selten sind die verbrannten Flächen und damit das gesamte Ökosystem mit den darin lebenden Pflanzen und Tieren unwiederbringlich verloren. Nicht zu vergessen die wirtschaftlichen und soziale Schäden, die durch Waldbrände und Feuersbrünste heute verursacht werden. Allein in den USA entstand seit 2015 ein Schaden von über 400 Mrd. Dollar – nur durch Waldbrände und Buschfeuer verursacht. Die finanziellen Einbußen auf den Welt- und Finanzmärkten sind dabei ebenso wenig berücksichtigt wie die ökologischen Hinterlassenschaften wie Luftverschmutzung, Erosionen, zusätzliche CO2-Emissionen, Schwund an weiteren Grünflächen usw. usf.

Um Waldbrände und Feuersbrünste zu vermeiden oder zumindest deren Entfaltung zu entschärfen, sollte man sie kennen. Als feuerökologisches Phänomen annehmen, zumal hausgemacht, und nicht rein als vernichtendes Ungeheuer verdammen (wenngleich auch das stimmt). Waldbrände sind nicht mehr kontrollierbar und auch nicht mehr steuerbar, daher ist es dringendst erforderlich, sich intensiver mit der Thematik zu beschäftigen.

Waldbrände waren und sind ein natürlicher Bestandteil in vielen, aber nicht allen Ökosystemen. In diesem Zusammenhang spricht man von willkommenen Feuersystemen, in deren Rahmen die Klimaverhältnisse keine ausreichende Zersetzung der Streu und der Humusanlage durch Bodenorganismen zulassen. Waldbrände schaffen hierbei die Voraussetzung für die Versorgung der folgenden Baumgeneration mit Nährstoffen, sie schaffen auch Platz und Luft.

Weltweit sind 46 % der Ökoregionen von Feuer regelrecht abhängig. In diesen Regionen sind Waldbrände für die Erhaltung der natürlichen Flora und Fauna so notwendig wie Sonne und Regen. Folglich macht es Sinn, sich nicht in diesen natürlichen Prozess einzumischen, da sich die Ökosysteme dort mit Feuer entwickelt haben. Wo sich Ökosysteme durch Feuer entwickelt haben, erhalten Brände deren charakteristische Struktur und Zusammensetzung, laufen daher kontrolliert ab.

Problemtisch sind jedoch die feuerempfindlichen Ökosysteme, denn den meisten Pflanzen und Tieren in diesen Ökosystemen fehlt die Anpassung, um die positiven Effekte des Feuers zu nutzen oder sich nach einem Brand schnell zu erholen. Ein Drittel der Ökosysteme weltweit werden mittlerweile als feuerempfindlich eingestuft – Tendenz steigend. Sie weisen eine Vegetation und eine Struktur auf, die den Ausbruch und die Ausbreitung von Bränden eher fördert als mindert. Vom Menschen verursachte Brände in einem feuerempfindlichen Ökosystem können langfristig die Struktur und Artenzusammensetzung des Ökosystems negativ beeinflussen oder dessen Fläche verringern. Und genau dies sollte vermieden werden.

Aber die eigentliche Dramatik bei Waldbränden und Feuersbrünsten besteht darin, dass sich die Schematik und die Struktur der Feuerregime geändert hat. Wir haben sie quasi verändert. Denn von einem veränderten Feuerregime spricht man, wenn das derzeitige Verhaltensmuster in Schlüsselattributen wie der Häufigkeit und dem Ausmaß der Brände abweicht von der natürlichen, historischen oder ökologisch akzeptablen Variationsbreite, die für das jeweilige Ökosystem charakteristisch ist. Ökologisch akzeptable Feuerregime können durchaus vom Menschen gesteuert werden, wenn dadurch die Pflanzen- und Tierpopulationen sowie die natürlichen Prozesse erhalten werden, welche das jeweilige Ökosystem charakterisieren. Nur, die natürlichen Prozesse werden nicht mehr konserviert, im Gegenteil, die Ökosystem werden durch die veränderten Feuerregime degradiert, die Lebensbedingungen für Fauna und Flora werden komplett auf den Kopf gestellt.

Veränderungen der Feuerregime wurden als eine der wichtigsten Gefährdungsursachen für die Biodiversität weltweit identifiziert. Prioritäre Ökoregionen, die für die Erhaltung der globalen Artenvielfalt entscheidend sind, sind auf 84 % ihrer Fläche durch veränderte Feuerregime gefährdet. Nur auf 16 % der Fläche prioritärer Ökoregionen befinden sich die Feuerregime noch innerhalb der ökologisch akzeptablen Grenzen. Feuerempfindliche Ökosysteme wie die tropischen Feuchtregenwälder, in denen Pflanzen und Tieren die Anpassung an natürliche Brände fehlt, sind auf 93 % ihrer Fläche gefährdet. Feuer abhängige oder beeinflusste Ökosysteme wie die afrikanischen Savannen oder die borealen Wälder sind mit 77 % Flächenanteil zwar etwas weniger, aber dennoch erheblich durch Veränderungen der Feuerregime gefährdet. Tendenz steigend.

…….lernen……

Höchste Zeit also für eine aktive Lebenshilfe, denn wir steuern auf einen humanen Flächen-Suizid zu. Es liegt in erster Linie an uns selbst, ob wir unser Ökosystem als Lebensspender zerstören – oder nicht!

Waldbrände und Feuersbrünste zeigen deutlich unsere existentiellen Grenzen auf, die marktwirtschaftlichen Diskussionen über Gewinnoptimierung und Profit, Produktivität und Aktien-Index, führen sich selbst ad absurdum, wenn es irgendwann keinen Markt, sprich: Menschen, mehr gibt.

Der Mensch ist ein Teil des Problems, aber auch ein Teil der Lösung. Klingt einfach, ist es das denn auch?

Ja, ist es, denn wir hätten genügend Unterstützer: die Pflanzen. Wir müssen nur auf sie „hören“. Wenn wir überleben wollen, wenn wir unser Ökosystem bewahren wollen, sollten wir auf die Pflanzen „hören“ und uns von ihnen inspirieren lassen. Denn die Pflanzen waren schon vor uns da und werden auch nach uns den Planeten bereichern.

Waldbranddatenbanken und Fire-Watch-Systeme, weltweit vernetzt, erleichtern die Löscheinsätze bei Waldbränden, unterstützen vorbeugende Maßnahmen, verbessern das Feuermanagement bei Waldbränden und Feuersbrünsten und helfen bei der Ermittlung von brandgefährdeten Regionen. Aber verhindern all diese Anstrengungen auch Waldbrände?

Waldbrände und Feuersbrünste können um ein beträchtliches Maß verhindert oder zumindest eingedämmt werden, wenn einerseits die Ursachen des anthropogen verursachten Klimawandels „behandelt“ werden und wir auf der anderen Seite die Pflanzenwelt anschauen, denn da können wir durchaus lernen – wir müssen nur „zuhören“.

Eine genaue Betrachtung der Topographie und der Verläufe von – insbesondere – veränderten unkontrollierten Feuerregime und die daraus zu ziehenden Konsequenzen tragen schon dazu bei, zukünftige Waldbrände und Feuersbrünste zu vermeiden oder zumindest beträchtlich zu reduzieren. Der Erhalt der Landschafts- und Naturräume ist für unser Ökosystem existentiell. Mittels landschaftspflegerischer Maßnahmen zur Vermeidung von Erosionen, der Reduzierung von Versiegelungen und gleichzeitig dem Ausbau von Vegetationsflächen können beispielsweise Überhitzungen und Dürren reduziert werden. Damit könnten wesentliche Faktoren zur Kompensierung des Klimawandels und zur Eindämmung von Waldbränden beitragen. Mit dem Bau von Brandschutzgürteln, dem nötigen Augenmerk für die Unterhaltspflege in brandgefährdeten Gebieten sowie der entsprechenden endemischen Bepflanzung hätten wir weitere präventive Brandschutzideen im Portfolio.

Aber nicht nur als botanische Brandschützer, sondern auch zur Reduzierung von Dürren, Erosionen, Überhitzungen und vor allem der Luftverschmutzung, sollten wir die Unterstützung der Pflanzen annehmen. Denn im Gegensatz zu Tieren und Menschen sind die Pflanzen „fluchtgebremst“, demnach naturbedingt gezwungen, sich den Wetterbedingungen und den klimatischen Verhältnissen zu stellen und Lösungen zum Überleben zu entwickeln. Und ja, sie haben Lösungen.

…….in die Zukunft schauen.

Für uns Menschen gilt grundsätzlich: wenn wir tatsächlich eine Zukunft haben wollen, dann wird es höchste Zeit, unsrem Gastgeber, dem Planeten Erde, den nötigen Respekt zu zollen. Wir können nur Überleben, wenn wir unser Ökosystem bewahren – und nicht zerstören.

Und dazu ist ein 100%iger Paradigmenwechsel vonnöten, denn wir bewegen uns, aber in die falsche Richtung. Eigentlich paradox, dass wir bei der Entwicklung von umweltzerstörenden Wegbegleitern (Kohlekraftwerke, AKW’s, Autos, Betonbauten, Robotern u.v.m.) so wahnsinnig kreativ sein können, bei lebenserhaltenden Maßnahmen aber versagen. Denn: noch sind es die Pflanzen, die den Sauerstoff produzieren, den wir zum Leben brauchen oder?

Waldbrände und Feuersbrünste zerstören nicht einfach nur Flächen, sie zerstören Vegetationsflächen, also unsere „Lungen“ und es sind vor allem die Dimensionen, Häufigkeiten und Intensitäten, die den Kollaps unserer Ökosysteme verursachen werden – zu unserem Leidwesen.

Wir können dies aber verhindern, wenn wir die ausgestreckten Hände der Pflanzenwelt annehmen und uns leiten lassen, denn die Pflanzen waren vor uns schon da und werden auch nach unserer kurzen Anwesenheit noch da sein. Ein Grund mehr, auf sie zu „hören“.

Klimaforscher beobachten schon seit Jahrzehnten, dass der Klimawandel und die damit einhergehenden Veränderungen unserer Ökosysteme wirkliche drastische Ausmaße annehmen werden und zwar in einem atemberaubenden Tempo.

US-amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass sich die Ökosysteme in den USA und der ganzen Welt verändert und teilweise weiterentwickelt haben, um mit Waldbränden und natürlichen Veränderungen umzugehen. Deutlich sichtbar sind diese Veränderungen vor allem bei den Pflanzen. Die Intensitäten und Häufigkeiten der Waldbrände führen dazu, dass sich die Vegetation nicht mehr regenerieren kann, sie kann nicht mehr nachwachsen. Stattdessen könnte eine andere Art Vegetation, eine toleranter gegenüber wärmeren und trockeneren Bedingungen, ihren Platz einnehmen – und das ist neu. Es wird Pflanzen geben (teilweise gibt es sie schon), die hitzebeständiger und möglicherweise feuerresistenter sind, deren Nutzung eine sinnvolle Variante einer botanischen Brandschutzprävention wäre. Eine Liste feuerresistenter Pflanzen haben Wissenschaftler der Universitäten Washington, Oregon und Idaho bereits 2006 erstellt. Ein interessanter Ansatz, nur bedeutet feuerresistent nicht feuerfest, das heisst, welche Auswirkungen Feuer und Hitze auf Pflanzen tatsächlich haben, ist noch immer unerforscht.

Jedoch gibt es mehr und mehr Untersuchungen und Studien, die sich mit der Erforschung der Pflanzen beschäftigen. Pflanzenforscher, Botaniker und Ökophysiologen, weltweit, tauchen langsam immer tiefer in die Pflanzenwelt ein, um ihren Code zu entschlüsseln.

Italienische und österreichische Wissenschaftler haben 2014/2015 die Auswirkungen von Hitze und Feuer bei Bäumen nach Waldbränden untersucht und festgestellt, dass nicht nur eine physikalische Auflösung von Bäumen während der Brände gibt, die in unterschiedlichen Intervallen ablaufen, sondern auch Bäume zeitversetzt nach Bränden absterben. Neuere Studien unter Bezugnahme auf das Baumsterben Monate und Jahre nach den Waldbränden deuten auf eine Rolle für wärmebedingte Veränderungen des Hydrauliksystems hin. Daher wurden die Einwirkungen von Wärme und Hitze sowie Dürre auf die Xylem-Hydraulik in den Bäumen analysiert, dabei wurde die Anfälligkeit des Stammes für Trockenheit und Hitze induzierte Embolie und die hydraulische Leitfähigkeit innerhalb ausgewählter Bäume gemessen.

Resultat verschiedener ähnlicher Forschungen in den letzten Jahren bestätigen die These, dass Hitze/ Wärme sowie Trockenheit und Dürre die Xylem-Hydraulik in den Pflanzen beeinflusst, die Leitfähigkeit innerhalb des Holzgewebes beeinträchtigt und damit den Wassertransport der Pflanzen und die Mineralversorgung stört. Letztendlich führt dieser Vorgang zu sog. Gas-Embolien innerhalb der Pflanzen, die wiederum die Versorgung der Pflanzen unterbrechen – die Pflanzen sterben.

Allerdings bergen diese Erkenntnisse auch Chancen, denn über Hydraulikmessungen lässt sich demnach auch feststellen, welchen Pflanzen gegenüber Hitze- und Feuereinwirkungen anfällig sind und welche nicht. Aber in diesen Forschungsbereichen bewegen wir uns noch in zu viel unentdeckten Zonen. Die Forschung steht da erst am Anfang und ich denke, dass uns die Pflanzenwelt hier schon viele Lösungen aufs Podest gestellt hat, es gibt sicher genügend Pflanzen, die recht unempfindlich gegenüber Dürren und Hitze-/ Feuereinwirkungen sind – wir müssen sie nur finden und vor allem verstehen.

Es gibt Pflanzen, die sich an Feuer gewöhnt haben oder feuerbeständig sind und ich denke, dass es auch viele unentdeckte Arten gibt. Dicke Rinden als Anpassung zum Schutz des lebenden Gewebes einer Pflanze vor Feuer finden wir in zahlreichen Arten, Familien und Lebensräumen vor. Hervorzuheben wären da die Korkeiche (Quercus suber), das riesige Redwood (Sequoiadendron giganteum) oder die Ponderosa-Kiefer (Pinus ponderosa). Sicherlich gibt es mehr Arten, die eine ähnliche Strategie entwickelt haben. Neben der Option, sich vor Feuer (Bränden) einigermaßen zu schützen, drängt sich auch die Frage nach dem status quo ante, also der Frage, wie mit Landschaftsräumen nach den Bränden umzugehen ist und vor allem, wie die Pflanzen reagieren. In Bezug auf die Wiederherstellung von feuergeschädigten Pflanzen bieten die australischen Eukalyptusarten viele gute Beispiele für eine epikormale Wiederherstellung (Wiederherstellung aus Knospen am Stamm).

Es gibt Pflanzen wie der Erdbeerbaum (Arbutus unedo), die sich von einem Brandereignis durch Nachwachsen aus geschwollenen unterirdischen Organen, den sogenannten Lignotubern, erholen können oder eben auch Pflanzen wie die Lodgepole Pine (Pinus contorta), die das Brandereignis zur Fortpflanzung benötigt, da sich erst nach Bränden Samen öffnen und freisetzen. Aber zur Erklärung: Diese feuerbeständigen Pflanzen sind an bestimmte Brandsituationen angepasst und nicht an sich feuerfest, so dass jede Änderung des räumlichen und zeitlichen Verlaufs von Bränden ihr lokales Überleben gefährden können. Wie schon erwähnt: sofern der anthropogene Einfluss vermieden wird, funktionieren die Ökosysteme.

Angesichts der Tatsache, dass noch immer jährlich ca. 2000 Pflanzenarten „neu“ entdeckt werden, bin ich frohen Mutes, dass wir genügend botanische Brandschützer haben, die wir nur noch nicht kennen.

Falls der Welt der Pflanzen weiterhin mit Ignoranz und Ratlosigkeit entgegengetreten wird, Investitionen und Innovationen noch immer in die falsche Bahn gelenkt werden und wir unsere botanischen Chancen weiterhin ungenützt liegen lassen – dann verbrennen wir uns tatsächlich selbst!

Markus Meyer, (Mag. Dipl.-Ing.), A – 2340 Mödling
gartenarchitekt44@gmail.com