Genauer Begriff
Suche im Titel
Suche im Inhalt
Suche in Beiträgen
Suche in Seiten
Kategorien Filtern
Arbeitswelt, Bildung und Finanzen
Bauen und Renovieren
Essen und Trinken
Freizeit, Reisen und Literatur
Gesundheit und Wohlbefinden
News
Startseite
Veranstalter und Akteure
Verbände, Vereine und Behörden
Wohnen und Leben
Bild für Beitrag

Sind Bio-Lebensmittel gesünder?

Immer wieder wird bestritten, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind als konventionelle, obwohl inzwischen viele Beweise dafür vorliegen.

Wenn Umweltschutzgruppen wie Greenpeace oder foodwatch auf die Rückstandsproblematik von Pestiziden etc. hinweisen, werden Behörden und Industrie nicht müde, die Unbedenklichkeit des Verzehrs der schadstoffhaltigen Lebensmittel zu betonen. „Keine akute Gesundheitsgefahr“, heißt es fast immer. Keine akute? Dann muss man aber wohl Dauerschäden befürchten? So gut wie immer wird darauf hingewiesen, dass die Proben ja nur selten über den Grenzwerten liegen. Wer aber legt diese fest? Tierversuche gehören hier dazu. Dass diese oft genug nicht auf den Menschen übertragbar sind, hat sich immer wieder gezeigt. Außerdem fehlt ein Summengrenzwert, der alle Schadstoffe umfasst. 2008 erschien mein Buch „Bio-Lebensmittel – Warum sie wirklich gesünder sind“. Die geschilderten Probleme mit Pestizidenund anderen Schadstoffen sind seitdem nicht besser geworden. Zunehmend erfährt man, dass der Pestizideintrag in Gewässer schlimmer ist als vermutet und immer mehr Rückstände zu verzeichnen sind. Für die dritte Auflage fand ich endlich einen Beweis, von dem ich schon während meiner Promotion gehört hatte:

Auch das noch: Uran im Kunstdünger
Nicht nur, dass Kunstdünger unter enormem Energieaufwand hergestellt wird, mineralische Phosphatdüngung führt zudem zu einer Anreicherung des radioaktiven Metalls Uran im Boden und damit in der Nahrungskette. Außerdem kommt es zur Anreicherung des ebenfalls gesundheitsschädlichen Metalls Cadmium, das über die Pflanzen in die menschliche Ernährung gelangt. Jährlich werden mit Kunstdünger in der Landwirtschaft insgesamt ca. 160 Tonnen Uran auf deutschen Feldern verstreut. Selbstverständlich gelangt es auch in das Grundwasser und gefährdet damit das Trinkwasser. Gesetzliche Grenzwerte dafür werden in der Düngemittelverordnung leider nicht festgelegt. Man geht davon aus, dass inzwischen bis zu 14.000 Tonnen Uran auf deutschen Ackerflächen ausgebracht wurden (Quelle: Wikipedia: Dünger, Oktober 2012)!

Das Umweltinstitut München untersuchte im Frühjahr 2012 im Handel frei verfügbare, feste (granulierte) Düngemittel gammaspektroskopisch auf ihren Gehalt an Uran. Leider fand das Institut heraus, dass der vom Umweltbundesamt empfohlene Richtwert von 50 Milligramm Uran je Kilogramm Phosphat fast immer überschritten wurde!
Die Ergebnisse zeigten eine große Schwankungsbreite der Urangehalte in den verschiedenen Düngemitteln. Das liegt daran, dass einerseits der Phosphatgehalt in Düngemitteln und andererseits der Urangehalt in den Phosphaten unterschiedlich ist. Daher wäre es mehr als angebracht eine Kennzeichnungspflicht einzuführen und einen Grenzwert festzulegen. Dies hat die Kommission
Bodenschutz beim Umweltbundesamt auch angemahnt (Näheres s. http://umweltinstitut.org/radioaktivitat/messungen/uran-im-dunger-und-spulmittel-1025.html). Bio-Bauern dürfen diesen uranhaltigen Kunstdünger erst gar nicht verwenden.
Aber warum sind Bio-Lebensmittel nun gesünder. Liegt es allein daran, dass sie weit weniger Schadstoffe wie Uran, Nitrat und Pestizide enthalten? Dass man weniger Zusatzstoffe für sie verwendet? Gentechnik verboten ist?

Gesundheitsfördernde Lebensmittelinhaltsstoffe in Bio-Lebensmitteln

Zumeist findet man die Vitamine A, C und E in größeren Mengen in Bio-Lebensmitteln. Wertvolle Mineralstoffe wie Eisen und Zink sind in höherer Konzentration in ihnen vertreten. Dagegen entdeckte man weniger gesundheitsschädliches Cadmium, Nitrat und zumeist auch Natrium in Bio-Lebensmitteln.
Bei Bio-Gemüse und –obst besteht zusätzlich die Tendenz zu einem höheren Gehalt (um 10 – 50 %) an sekundären Pflanzenstoffen, die wichtig sind z. B. zur Vorbeugung vor Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen. Die wertvollen Inhaltsstoffe leisten einen Beitrag zur Krankheitsvorbeugung, indem sie unter anderem in der Funktion als sog. „Antioxidantien“ reaktionsfreudige, gefährliche „freie Radikale“ abfangen und die schädlichen Wirkungen von Sauerstoff unterbinden bzw. verringern.
Da man Bio-Obst und zum Teil auch Bio-Gemüse nicht schälen muss (keine Pestizide, Schalenbehandlungsmittel….), erhält man allein schon deshalb weit mehr sekundäre Pflanzenstoffe. Eine Apfelschale enthält z B. 100mal so viele Flavonoide wie die restliche Frucht.

Artgerechte Tierhaltung nützt den Tieren und wir haben auch etwas davon!

Artgerechte Haltung hält die Tiere gesund, stärkt ihr Immunsystem, ihre Belastbarkeit und fördert ihre Fruchtbarkeit.
Für uns ist darüber hinaus wichtig, dass Medikamentenrückstände so gut wie unmöglich sind und dass durch die geringere Stressbelastung der Tiere eine bessere Fleischqualität entsteht. Dazu kommt ein höherer Gehalt an den wertvollen Omega-3-Fettsäuren, die bei Bio-Fleisch zum Teil Werte von Fisch erreichen.

Endlich kann man es beweisen: Bio ist gesünder!

Die geschilderten gesundheitlichen Vorteile sind sicher wertvoll. Nur: sie reichten nicht aus, um gesetzlich zulässig behaupten zu dürfen, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind. Aber genau das ist inzwischen bewiesen: Dies zeigte eine vierjährige Studie, die 12 Millionen (!) Britische Pfund gekostet hatte und die von der Europäischen Union gefördert wurde. Dabei handelte es sich um das
bisher größte Forschungsprojekt zu den Vorteilen von ökologischem Landbau und Biolebensmitteln. Tatsächlich zeigte die Studie „Quality Low Input Food“ (QLIF), dass Bio-Obst und -Gemüse über 40 % mehr Antioxidantien aufweisen als konventionelles Obst und Gemüse.
Der Koordinator der Studie, der deutsche Professor Carlo Leifert, der an der britischen Universität Newcastle lehrt, betonte, dass die Unterschiede so deutlich seien, dass auch Leute, die nicht die empfohlenen fünf Portionen Obst und Gemüse täglich essen, bei biologischer Ernährung genügend wichtige Inhaltsstoffe zu sich nehmen. Noch krasser als in Obst und Gemüse fanden die Wissenschaftler den Gehalt von Antioxidantien in der Milch. Stammte sie von biologisch gehaltenen Kühen, so enthielt sie 90 % mehr Antioxidantien und gesunde Fettsäuren.
Die Sunday Times behauptete aufgrund dieser Ergebnisse sogar, dass der Genuss von Bio-Lebensmitteln das Leben verlängern kann! Was untersuchte die Studie genau? Für die Studie wurde auf ökologischen und nicht-ökologischen Anbauflächen in ganz Europa Vieh aufgezogen. Außerdem baute man Obst und Gemüse wie Kohl, Salat, Karotten, Kartoffeln und Weizen an. Anschließend haben die Forscher Faktoren wie Geschmack und Nährwert verglichen.

Nicht nur mit dieser Methode konnte ganz eindeutig gezeigt werden:
Bio-Lebensmittel sind gesünder als konventionelle!

In Großbritannien darf man sogar mit „Bio = gesünder“ werben! Die eigentlich gar nicht so erstaunlichen Beweise aus Großbritannien stammen aus einem Land, das als einziges in der Europäischen Union Bio-Lebensmittel mit ihren gesundheitsfördernden Vorzügen und Zusatzwerten deklarieren darf. Vertreter der Soil Association (Biobauern-Vereinigung Großbritannien) setzte dies gemeinsam mit der ASA (Advertising Standards Authority) und CPA (Committee on Advertising Practice) durch. Diese Werbemaßnahmen beziehen sich auf 22 Aussagen. Sie betreffen z.B. den höheren Gehalt an Vitaminen, essentiellen (d. h. lebensnotwendigen) Eiweißbausteinen und wertvollen Mineralstoffen sowie gesundheitsförderliche Aspekte in Zusammenhang mit dem konsequenten Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel als auch das Verbot von prophylaktisch eingesetzten Antibiotika. Die Aussagen müssen dem genau genehmigten Wortlaut entsprechen und dürfen in Werbespots, auf Werbeprospekten und als Absatzförderung auf Produktbeschriftungen, bei Preiswettbewerben oder Sonderangeboten verwendet werden. Auch der Hinweis darauf, dass für Bio-Lebensmittel nur etwa ein Zehntel der innerhalb der Europäischen Union zugelassenen Zusatzstoffe verwendet werden dürfen, incl. dem Hinweis, dass mittels biologischer Lebensmittel mögliche allergene Zusatzstoffe vermieden werden können, ist bei der Bewerbung in Großbritannien zulässig.

Mehr zu dem Thema können Sie in dem Buch von Dr. Andrea Flemmer: „Bio-Lebensmittel – warum sie wirklich gesünder sind“ (Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Hannover, 3. Auflage Februar 2014) nachlesen.

buch biolebensmittel

Facebooktwittergoogle_pluspinterest