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Ökologisches Gold aus der Eder

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Wer das grünvoll-Magazin aufmerksam liest, wird sich vielleicht daran erinnern, vor 2 Jahren schon einmal einen Beitrag über Gold gelesen zu haben (im Frühjahr 2011, auf Seite 4). Damals habe ich erzählt, wie ich dazu gekommen bin, Fairtrade-Gold aus Argentinien zu verarbeiten. Der seelische Schock, den ich erlitt, als ich durch ein konventionelles Goldabbaugebiet fuhr, hat mich in meiner Goldschmiedeleidenschaft tief erschüttert. Gut so, denn wie das so ist im Leben, braucht man manchmal einen Wachrüttler, und den habe ich bekommen. 2003 habe ich daraufhin meine ganze Produktion (das klingt jetzt hochtrabend, bin ich doch nur eine 1-2 Mann-, bzw. Frau-Goldschmiede) auf Fairtradegold umgestellt. In den ersten Jahren war viel Aufklärungsarbeit nötig, doch es hat sich gelohnt, denn nun kommen aus ganz Deutschland, manchmal sogar aus den angrenzenden Ländern, Kunden zu mir, die großen Wert auf ethisch korrekten Schmuck legen. Und diese Menschen werden im sich wandelnden Zeitgeist immer mehr, das konnte ich in den letzten Jahren gut beobachten. An dieser Stelle sei ein Dank an all die ausgesprochen, die durch ihre Entscheidung, faires Gold, z.B. für ihre Eheringe, zu wählen, die Abbaubedingungen und die Lebensbedingungen für die Mineros verbessert haben.

9 Jahre habe ich ausschließlich dieses argentinische Gold bezogen und verarbeitet, doch im Jahr 2012 hat sich eine neue goldene Alternative aufgetan; mitten in Deutschland, in Hessen, da wo es eigentlich keiner vermutet. Dort fließt die Eder, ein Fluss, der in den Edersee mündet. Und dieser Fluss ist, wie einige andere Flüsse in Deutschland auch, goldhaltig. Der Goldgehalt ist allerdings sehr gering. So gering, dass es sich nicht lohnt, extra danach zu graben. Selbst der hohe Goldpreis der letzten Jahre würde keinen Abbau lohnenswert machen. Sie fragen sich, wie das Gold dann an die Oberfläche kommt? Die Antwort führt uns zu einem Kieswerk. Dort werden Kieselsteine verschiedener Größen sortiert und der verbleibende Quarzsand für die Bauindustrie bereitgestellt. Und genau in diesem Quarzsand befinden sich winzigste Goldteilchen, die bisher in Deutschlands Straßen und Häusern verbaut wurden. Da der Goldpreis im Lauf der Jahre stark gestiegen ist, hat man sich Gedanken gemacht, ob es nicht doch möglich wäre, das Gold als Nebenprodukt aus einem Kieswerk zu gewinnen. Nach langen Forschungen und Tests ist es schließlich gelungen, eine Anlage zu entwickeln, die ganz ohne Chemikalien in der Lage ist, das Gold von den anderen Mineralien im Sand zu trennen. Schließlich wird das Gold noch in einer Scheideanstalt gereinigt, damit es legiert und von Goldschmieden verarbeitet werden kann. Das Edergold wird als Deutschlands Ökogold angeboten und mir persönlich ist es besonders sympathisch, denn für dieses Gold wird nicht eigens gegraben, es fällt in geringen Mengen als Nebenprodukt ab.

So kann ich seit 2012 sowohl argentinisches Fairtradegold, als auch deutsches Öko-Edergold anbieten. Da beide Goldarten preisgleich sind, können sich die Kunden bei ihrem Kauf frei überlegen, welche Komponente ihnen die liebere ist, und diese dann fördern.

Auch wenn die Menge des Goldes nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, so fängt doch jede Veränderung im Kleinen an. Und wer weiß, wie viele Kieswerke in Zukunft mit einer Goldfilteranlage versehen werden und ökologisch unbedenkliches Gold auf den Markt bringen.

Autorin: Petra Hoch-Dosch – Atelier Dosch – FaireRinge.de

Fairtradegold – Gold aus umweltschonendem Abbau

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Wäre ich nicht 1999 auf einem USA-Urlaub durch das Dörfchen Cripple Creek gefahren, hätte ich wahrscheinlich weiterhin sorglos Gold zu schönen Schmuckstücken verarbeitet. Aber was ich damals sah, hat mich schockiert und wachgerüttelt. In diesem verlassenen Dorf im Staat Colorado wurde Gold abgebaut. Romantisch, dachte ich, genau das Richtige   für eine Goldschmiedin, an die Wurzeln des Goldabbaus vorzudringen und den Kunden spannende Geschichten darüber erzählen zu können. Doch ich hatte nicht damit gerechnet, in eine total verwüstete und geschundene Landschaft einzutauchen. Eine seltsam umgestülpte Natur fand ich vor. Abraumhalden, die wie riesige Maulwurfhaufen das Bild dominierten. Große Felder zertrümmerter Erde, flach ausgebreitet. Immer wieder Plastikfolie, die an den Rändern der Felder herausschaut. Alles in allem ein Bild der Zerstörung.

Zuhause wollte das Arbeiten keinen rechten Spass mehr machen. Trage ich die Mitschuld daran, dass es woanders auf der Welt so ausschaut?

Argentinisches Rohgold
Argentinisches Rohgold

Ich habe mich informiert, welche Umstände den Goldabbau begleiten. Was bedeuten die Geröllfelder und die Plastikfolien? Ich habe also dort die „Zyanidlaugerei“ gesehen. Das goldhaltige Gestein wird klein zertrümmert und dann mit Zyanidlauge (Zyankali) übergossen. Das Zyankali löst das Gold aus dem Gestein, wird in Becken aufgefangen, dann das Gold chemisch aus der  Zyanidlauge herausgelöst. Zurück bleibt der zyankalihaltige Abfall, und der gibt sein Gift langsam an die Luft und im schlimmsten Fall an das Grundwasser ab.

Ich erfuhr, dass es die unterschiedlichsten Problematiken beim Goldabbau gibt. Viele Goldvorkommen liegen in sogenannten Entwicklungsländern, in denen die Bevölkerung meist von Landwirtschaft und Fischfang lebt. Diese Menschen werden rücksichtslos von ihrem Grund und Boden vertrieben, um Platz zu machen für den industriellen Goldabbau, bei dem das Land von riesigen Maschinen umgegraben und ausgebeutet wird. Die Ureinwohner warten meist vergeblich auf Entschädigungen der großen Konzerne und werden von ihren eigenen Regierungen schmählich im Stich gelassen.

Je mehr ich mich informierte, desto mehr Missstände erfuhr ich, und ich konnte mir gar nicht mehr vorstellen, dass jemand unter diesen Bedingungen Schmuck tragen möchte. Dieser Preis war einfach zu hoch in meinen Augen.

Doch parallel zu den frustrierenden Neuigkeiten tat sich auch etwas positives Neues auf. Ich erfuhr, dass es durchaus Alternativen zu diesem konventionellen Goldabbau gibt. Fairtradegold, angeboten von einem Geologen, der schon jahrelang Entwicklungsarbeit im Kleinbergbau leistet. Er betreut eine argentinische Dorfgemeinschaft, die Gold aus dem Fluss Chuspimayo fördert. Mit viel Handarbeit, aber dafür ganz ohne Chemikalien. Nur mit Wasserkreisläufen wird das Gold aus dem Geröll gewaschen und es findet ein minimaler Eingriff in die Natur statt. Die Goldwäscher können sich eine Lebensgrundlage sichern und  bekommen für das so gewonnene Gold einen höheren Preis als den Weltmarktpreis bezahlt. Die argentinische Umweltstiftung Ecoandina, die sich auch sehr transparent im Internet (sogar auf deutsch) präsentiert, unterstützt diese Kleinbergbauern bei den organisatorischen Aufgaben und ist in dieser Andengegend auch mit Solar- und Wasserprojekten sehr aktiv.

Zu Eheringen verarbeitetes Gold
Zu Eheringen verarbeitetes Gold

Doch das ist nicht die einzige Quelle sauberen Goldes. Oro Verde, eine kolumbianische Initiative, fördert ebenfalls auf vorbildliche Weise einen umweltschonenden Abbau von Gold. Gesund für die Menschen und den Regenwald. Oro Verde hat als erste Organisation, das schon lange fällige, aber auch sehr teure Fairtradesiegel erhalten. Es wird in Deutschland aber erst in einigen Monaten regelmäßig geliefert werden.

Das sind also die freudigen Nachrichten. Für die Menschen, denen es wichtig ist, welches Gold und welche Geschichte sie damit auf der Haut tragen, gibt es genug „faires“ Gold. Und indem Sie den Mehrwert eines guten Gefühles und Gewissens beim Schmuckkauf haben, profitieren auch die Menschen, die dieses Gold ans Tageslicht bringen.

Text und Bilder: Petra Hoch-Dosch, www.atelierdosch.de