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Gräser aus den Meeren als umweltfreundlicher Dämmstoff

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So manch einer wird sich in letzter Zeit schon abwenden, wenn er einen Bericht zur Gebäudedämmung sah, denn so gut wie alle kommerziellen Buntblattillustrierten schrieben über Wärmedämm-Verbundsysteme (kurz: WDVS). Manche seriös, manche weniger seriös, die meisten jedoch zählten nicht Alternativen zur energiesparenden Gebäudedämmung auf, sondern kritisierten, wiesen auf mögliche Brandrisiken, Schadstoffe oder gar die später in manchen Fällen als kritisch zu bewertenden Entsorgungsmöglichkeiten hin. Viele denken mittlerweile im Zusammenhang mit der Wärmedämmung eines Hauses nur noch an etwaige Kunstschaumplatten, wie zum Beispiel solche aus Polystyrol (Markenbezeichnung: Styropor). Klar, ungefähr 70 % der Fassadendämmungen werden mit diesem Stoff ausgeführt und fast jedes Boulevardmagazin sowie einige Tageszeitung berichteten über Dämmmaßnahmen mit einem solchen Produkt. Ein Produkt, das nicht ohne Grund in die Missgunst der Bauwilligen und sogar von manch Fachkollegen geraten ist, denn die Nachteile sind im Gros zahlreicher als die Vorteile. Aber ich will nun nicht wieder all die Eigenschaften eines solchen Produktes aufzählen, denn als neutraler Bausachverständiger, der bundesweit und oft auch über die Grenzen Deutschlands hinaus in Sachen Bauschäden und Baumängel unterwegs ist und sich über Jahre hinweg auch auf natürliche Baustoffe spezialisiert hat, will ich natürlich auf Alternativen hinweisen. Alternativen, die nachhaltig sind und das nicht nur auf dem Papier. Alternativen, die möglichst keinerlei Abdruck in der Umwelt hinterlassen, weder in der Gewinnung, der Produktion, dem Einsatz auf der Baustelle noch bei der später kommenden Entsorgung. Vor allem aber auch Alternativen, die auch für Mensch und Tier keinerlei Risiken darstellen. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, denn solche Produkte sind nicht all zu zahlreich.

Ein hervorragendes Beispiel ist die Wiederbelebung der Nutzung von Seegräsern als Rohstoff für unterschiedliche Produkte, hier vor allem für die Gebäudedämmung. Das Prinzip der Rohstoffnutzung ist bei beiden bis dato genutzten Seegrasarten sehr identisch und könnte mit nur einem Satz erklärt werden: „Das an die Küsten gespülte Seegras wird aufgesammelt, gereinigt, aufgefasert oder geschnitten, getrocknet und schon ist es als Baustoff nutzbar.“ Bleibt bei den Dämmmaßnahmen etwas übrig, düngt man sein Gemüsebeet damit. Die schwarze Tonne oder die Sondermülldeponie bleiben ungenutzt. Die chemische Industrie hat nicht den geringsten Zusatz geleistet. So einfach und auch natürlich kann Dämmstoff sein. Soweit die Theorie! Die Praxis ist zwar ein wenig umfangreicher, schon aus dem Grund, da es Technik und Manpower benötigt und natürlich auch ein wenig Logistik. Aber auch dies hat seine Vorteile, vor allem wenn man sieht, dass hierbei mehr als nur ein Laborarbeitsplatz geschaffen wird.

Aber beginnen wir von vorne und hierbei erst einmal bei den genutzten Seegräsern, als da wären:

Das Neptungras, botanisch korrekt als Posidonia oceanica betitelt. Diese Seegrasart wächst ausschließlich an den küstennahen Bereichen des Mittelmeers und Australiens. Das Neptungras wird in Form von kleinen oder auch größeren Kügelchen an die Küsten gespült. Die Formgebung erhält dieses Seegras von den Meeresbewegungen. Die abgestorbenen Pflanzenteile werden am Meeresboden so lange hin und her bewegt bis alle verrottbaren Teile der Laubblätter abgerieben sind und nur noch die stabilen Rippen der Blätter übrig bleiben. Diese Blattrippen wiederum werden über die vorgenannte Bewegung des Meerwassers zu Bällchen gerollt. An anderer Stelle habe ich diesen Vorgang mit dem Formen von Semmelknödeln zwischen den Händen beschrieben. Ich denke das erklärt die Sache einfacher. Die nun am Meeresboden geformten Bällchen, man nannte sie in früheren Zeiten auch Gamsballen, werden aber nicht nur von den Bewegungen des Meeres geformt, sie werden dadurch, vor allem bei stürmischem Wetter, auch an die Strände getragen, von wo sie dann aufgesammelt werden. Der Universitätsprofessor und Architekt Richard Meier aus Karlsruhe hat die Eigenschaften dieses im Grunde fast schon fertig aufbereiteten Faserstoffes erkannt und nutzt diesen zur Herstellung eines losen Dämmstoffes. Er lässt die Bällchen an mehreren Orten rund ums Mittelmeer aufsammeln, womit er unter anderem an so manch Ort Arbeitsplätze schafft, wo es ansonsten eher kaum Beschäftigung für die Anwohner gibt. Dann transportiert er sie nach Karlsruhe und geht dort die weiteren Schritte der Aufbereitung an. Klingt nach viel, ist es aber nicht, denn die Bällchen werden im Grunde nur auseinander „gezupft“, von Sand und anderen Verunreinigungen gesäubert und sind dann ohne etwaige Zusätze als naturreiner Dämmstoff nutzbar. Bis dato gibt es diesen Dämmstoff als bauaufsichtlich zugelassenen Schütt- und auch Einblasdämmstoff, allerdings laufen bereits die ersten Versuche für einen Plattendämmstoff. Es kann nach heutigem Stand durchaus davon ausgegangen werden, dass es auch bald einen solchen auf dem Markt gibt.

Die zweite Seegrasart, die aktuell als loser Dämmstoff zu haben ist, ist das „Gemeine Seegras“ mit der botanischen Bezeichnung Zostera marina. Dieses Seegras wächst an vielen küstennahen Bereichen auf unserer Welt, u.a. an der Ostsee, von wo aus ein Händler im Schleswig-Holsteinschen Westerau auch seinen Seegrasdämmstoff bezieht.  Im Grunde geschieht hier ähnliches wie beim Posidonia, nur dass das Zostera nicht in Bällchen an die Küsten gespült wird, sondern die abgestorbenen Blätter nahezu im Ganzen an die Strände gelangen. Auch hier wird dann das angespülte Strandgut aufgesammelt, gereinigt, geschnitten und getrocknet, bevor es bautechnisch genutzt wird. Da das ans Ufer gespülte Seegras aufgrund der vielen Verunreinigungen im Meer bis dato in vielen Bundesländern als Sondermüll gilt, war und ist es teilweise ein erheblicher Aufwand die Strände zu reinigen. Mit Sondergenehmigungen gelangt zwar einiges von dem Naturgut auch als Dünger auf die Felder oder in Kompostieranlagen aber eben nur ein Teil. Die stoffliche Nutzung zu der das Naturprodukt gereinigt wird, bietet hierbei die Möglichkeit hohe Auslagen für die Strandreinigung und –pflege zu kompensieren. Diese Vorteile wurden ab 2003 auch ein paar Jahre lang über ein Forschungsprojekt verwirklicht, vermutlich aber aufgrund eines Investorenmangels später wieder eingestellt. Herr Jörn Hartje hat mit seinem Seegrashandel die Rohstoffnutzung mit dem Seegras aus der Ostsee aber just in diesem Jahr wiederbelebt. Er bezieht sein getrocknetes Seegras zwar noch von dänischen Küsten und es fehlt ihm auch noch die in Deutschland nötige allgemeine bauaufsichtliche Zulassung als Dämmstoff, aber sein Tatendrang lässt durchaus die Vermutung zu, dass auch diese Dinge bald positiviert sind. Für die Küstenregionen Deutschlands wäre eine Zusammenarbeit sicherlich eine Bereicherung.

Natürlich gibt es zu den Seegräsern noch viel mehr zu berichten und selbstverständlich sind auch bei der baulichen Nutzung einige Dinge zu beachten, hierzu jedoch fehlt an dieser Stelle nicht nur der Platz, Bauvorhaben sind auch immer als individuelle Leistungen zu betrachten, die explizit dem jeweiligen Projekt anzupassen sind. Von daher können Sie mich auch gerne für weitere Informationen telefonisch kontaktieren (08293 – 96 56 48). Viel wichtiger ist jedoch, dass man erkennt, dass man sich nicht über die Vor- oder Nachteile von synthetischen Produkten auslassen muss, wenn der Einsatz von natürlichen Alternativen dieses erst gar nicht erfordert. Hat man dann noch welche, die einem von Mutter Natur fast schon einbaufertig geliefert werden, ist eine Polemik wie wir sie in Bezug auf Kunstschäume die letzten Jahre hatten, völlig obsolet.

Autor:
Ing. Gerhard Holzmann, Sachverständigenbüro Holzmann-Bauberatung/Augsburg

 

Bauen und Leben mit Lehm

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Lehm ist der älteste Baustoff der Erde.

Seit Menschengedenken wird er beim Hausbau
verwendet. In vielen Kulturen gilt er auch heute noch als erlesenes und kostbares Material.
In Deutschland erlebt der Lehmbau heute seine Renaissance. Lehm ist ein Gemisch aus Ton,
Schluff und Sand. Lehm ist ungefährlich, denn er ist absolut geruchlos, völlig ungiftig und bei
direktem Hautkontakt nicht ätzend.

Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit,
das heißt: Lehm kann relativ schnell Luftfeuchtigkeit aufnehmen
und diese bei Bedarf wieder abgeben. Dadurch reguliert er die
Feuchtigkeit der Raumluft und trägt somit zu einem gesunden
Raumklima bei. Messungen ergaben, dass im Lehmhaus eine
konstante relative Luftfeuchtigkeit von 45 bis 55 % herrscht. Das
verhindert das Austrocknen der Schleimhäute und reduziert die
Feinstaubbildung!

Lehm speichert Wärme,
weil er zu den schweren Baustoffen zählt. Lehmbauteile besitzen eine hohe
Oberflächentemperatur, wodurch das Raumklima positiv beeinflusst wird. Durch die hohe
Wärmerückstrahlung fühlen sie sich bei Raumlufttemperaturen von 19° C wohlig warm.
Allerdings ist seine Wärmedämmwirkung eher mäßig. durch Zugabe poröser Stoffe wie
Schilf, Stroh, Seegras oder Perlite verbessert sich jedoch die Dämmfähigkeit des Lehms.

Lehm ist recycelbar:
Um ihn erneut verarbeiten zu können, wird ungebrannter, schon mehrfach genutzter Lehm
einfach zerkleinert und mit Wasser angefeuchtet.

Lehm konserviert Holz:
Durch die geringe Gleichgewichtsfeuchte haben Lehmbauteile
die Fähigkeit, Holz und andere organische Stoffe, die von Lehm
umgeben sind, zu entfeuchten bzw. werden diese trocken
gehalten. Verarbeitetes Holz hat einen Feuchtegehalt von etwa 12 %, Lehm nur etwa 0,4 bis
6 %. Feuchtigkeit aus dem Holz wird vom Lehm regelrecht angesogen, wodurch das Holz
trocken bleibt, vor tierischen und pflanzlichem Befall geschützt und so konserviert wird.

Lehm bindet Schadstoffe:
Die Oberfläche der im Lehm enthaltenen Tonminerale absorbiert und bindet die in der
Raumluft gelösten Schad- und Fremdstoffe.

Lehm ist gesund:
Lehmbaustoffe atmen, regulieren die relative Luftfeuchte, dämpfen den Luftschall, laden
sich elektrostatisch nicht auf, schirmen elektromagnetische Strahlung ab.

Groß- und Einzelhandel A. Wilbois
Am Stauden 8
66663 Merzig-Mechern
Telefon: 06861-790804
Fax: 06861-790803
www.hanfwilli.de